
Die Qualität von Gestaltung liegt nicht im Aufhübschen einer Oberfläche, sondern in der Beziehung: zwischen Mensch und Werkzeug, zwischen Kontext und Handlung. Eine gute Lösung erkennt man selten an ihrer formalen Eleganz allein.
In den 90er Jahren war das internet weniger Infrastruktur als Versprechen: Ein Ort voller utopischer Offenheit, an dem plötzlich alles möglich schien. Ich glaubte damals daran, dass uns das neue Medium als Kollektiv voranbringen kann – nicht unbedingt durch Tempo, sondern durch Verbindung. Diese Vorstellung prägt mein Denken bis heute.
Nach vielen Jahren der Selbständigkeit arbeite ich heute bei der Fohhn Audio AG als Verantwortlicher für die digitale Prozesstransformation. Im Zentrum steht dabei nicht die Einführung weiterer Software, sondern die Gestaltung von Arbeitsabläufen: Wie Informationen durch ein Unternehmen wandern, wo Reibung entsteht, welche Routinen historisch gewachsen sind, aber nicht mehr tragen.
Digitalisierung beginnt für mich deshalb nicht bei den Software-Tools, sondern bei Beobachtung. Wer einen Prozess digitalisiert, ohne ihn zu hinterfragen, überträgt meist nur alte Unschärfen in ein neues System. Erst wenn sichtbar wird, wie Menschen in der Praxis arbeiten, lässt sich entscheiden, was vereinfacht, automatisiert oder bewusst flexibel gelassen werden sollte.
Mein beruflicher Hintergrund als Designer prägt diese Perspektive. Ich stelle mir bei jeder Lösung dieselbe Frage: Ist sie benutzbar? Nicht: Funktioniert sie technisch. Es gibt einen Grund, warum eine Kaffeetasse einen Henkel hat. Der Henkel ist kein Gimmick, sondern ein Interface. Wer dieses Prinzip verstanden hat, denkt anders über Software, Datenbanken und Eingabemasken.
Ich glaube an technologische Souveränität – aber ich glaube noch mehr an gestalterische Verantwortung. Digitalisierung ist nicht per se ein Fortschritt. Aber sie wird es dann, wenn sie die Lebens- und Arbeitsqualität verbessert. Mich interessiert daher die Zone zwischen Technik und menschlicher Wahrnehmung. Dort entscheidet sich, ob digitale Transformation im Alltag ankommt. Nicht als abstraktes Programm, sondern in Form von besserer Datenqualität, klarer Übergaben, weniger Doppelarbeit und eindeutigen Verantwortlichkeiten.
Wir leben in einer Zeit, in der gutes Denken gebraucht wird. Und ich freue mich, wenn sich daraus Gespräche ergeben. Schreiben Sie mir deshalb gern, wenn Sie mögen.